Gewerbe angemeldet — was jetzt? Die ersten 10 Schritte für dein neues Unternehmen
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Startup & Gründung 01. September 2026 15 min

Gewerbe angemeldet — was jetzt? Die ersten 10 Schritte für dein neues Unternehmen

Der Gewerbeschein ist da — und niemand sagt dir, was jetzt kommt. Steuernummer, SVS, Website, Google-Profil, erste Kunden: der ehrliche 10-Schritte-Fahrplan für deine ersten Wochen als Unternehmer:in in Österreich.

Der Moment ist seltsam still: Du kommst von der Bezirkshauptmannschaft oder klappst den Laptop nach der Online-Anmeldung zu, dein Gewerbe steht im GISA — und dann? Alle Checklisten, die dich bis hierher begleitet haben, enden genau an dieser Stelle. Die Behörde gratuliert nicht, das Finanzamt meldet sich nicht von selbst mit einer Anleitung, und die Frage, wie aus dem Gewerbeschein ein Geschäft mit zahlenden Kunden wird, beantwortet dir niemand.

Damit bist du in bester Gesellschaft: 2025 gab es laut WKO-Gründungsstatistik einen Rekord von 44.072 Neugründungen in Österreich, ein Plus von 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 84,2 Prozent davon sind Einzelunternehmen — Menschen wie du, die den gesamten Start allein stemmen, ohne Gründungsabteilung und ohne Vorlage aus dem Konzern.

Genau für diese Phase gibt es einen planbaren Fahrplan. Die nächsten 10 Schritte sind keine Raketenwissenschaft, aber ihre Reihenfolge entscheidet, ob du in vier Wochen arbeitsfähig und auffindbar bist — oder in vier Monaten immer noch an der „perfekten“ Vorbereitung feilst.

Das Wichtigste in Kürze
  • Nach der Gewerbeanmeldung kommen zuerst zwei Pflichten: der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über FinanzOnline und der Check, ob deine SVS-Anmeldung passt — die Meldefrist beträgt einen Monat.
  • Die SVS-Pflichtversicherung beginnt mit dem Tag der Gewerbeanmeldung. Plane die Beiträge von Anfang an in deine Preise ein, nicht erst bei der ersten Vorschreibung.
  • Seit 2025 liegt die Kleinunternehmergrenze laut WKO und USP bei 55.000 Euro Jahresumsatz — bis dahin stellst du Rechnungen ohne Umsatzsteuer aus.
  • Domain, professionelle E-Mail-Adresse, Website und Google Unternehmensprofil sind dein digitales Fundament — idealerweise in den ersten zwei bis drei Wochen erledigt.
  • 2025 wurden in Österreich 44.072 Unternehmen gegründet, so viele wie nie. Sichtbarkeit entscheidet, wer von den vielen Neuen tatsächlich gefunden wird.
  • Kein Schritt verlangt Perfektion: Eine 80-Prozent-Version, die online ist, schlägt jeden 100-Prozent-Plan in der Schublade.

Warum der Gewerbeschein erst der Anfang ist

Der offizielle Gründungsfahrplan — wko.at, usp.gv.at, GISA — ist gut gemacht, aber er hat ein eingebautes Ende: die Gewerbeanmeldung selbst. Was danach kommt, verteilt sich auf Finanzamt, SVS, Bank und deine eigene Initiative. Und der wichtigste Teil, nämlich wie du zu Kunden kommst, steht in keinem Behörden-Leitfaden.

Die Zahlen zeigen, warum das relevant ist. Österreich gründet so viel wie nie zuvor — und der überwiegende Teil startet solo:

44.072
Neugründungen 2025
Rekordwert, laut WKO-Gründungsstatistik
+7,7 %
Zuwachs zum Vorjahr
gewerbliche Gründungen sogar +9,4 %
84,2 %
Einzelunternehmen
Anteil an allen Gründungen
37,8
Jahre Durchschnittsalter
der Gründer:innen in Österreich

44.072 neue Unternehmen bedeuten auch: 44.072 neue Websites, Google-Profile und Angebote, die um Aufmerksamkeit konkurrieren. Wer die ersten Wochen strukturiert nutzt, verschafft sich einen Vorsprung, den viele Mitgründer:innen nie aufholen — weil sie im Behörden- und Perfektions-Modus stecken bleiben.

Bianca Willen, Gründerin der NUR. Marketing GmbH aus Spittal an der Drau, hat diesen Start selbst mehrfach durchlebt: 2016 mit der Hundeschule Willenskraft, 2019 mit der Willenskraft Akademie, 2023 mit dem nachhaltigen Hunde-Onlineshop die bellerei und 2025 mit der GOTS-zertifizierten Babymode-Marke Windelrebellen. Der Fahrplan hier ist die Essenz daraus — aus echter Praxis, nicht aus dem Lehrbuch.

Die ersten 10 Schritte im Überblick

Bevor wir in die Details gehen, der komplette Fahrplan auf einen Blick. Die Reihenfolge ist bewusst gewählt: zuerst die Pflichten mit Fristen, dann das Fundament, dann die Kunden.

Schritt 1

Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen

Über FinanzOnline einreichen, damit das Finanzamt dir eine Steuernummer zuteilt. Ohne die kommst du bei Rechnungen und Steuererklärung nicht weit — also gleich in Woche 1 erledigen.

Schritt 2

SVS-Anmeldung prüfen und Beiträge einplanen

Die Gewerbebehörde informiert die SVS im Regelfall automatisch, die Pflichtversicherung läuft trotzdem ab Tag 1 der Anmeldung. Meldefrist: ein Monat. Aktiv nachprüfen statt hoffen.

Schritt 3

Geschäftskonto eröffnen und Belegablage aufsetzen

Privat und geschäftlich von Anfang an trennen. Ein eigenes Konto plus ein simples Ablagesystem für Belege erspart dir beim ersten Jahresabschluss Tage an Arbeit.

Schritt 4

Domain sichern und professionelle E-Mail einrichten

Deine Wunsch-Domain registrieren und ein Postfach auf eigener Domain anlegen. Eine Gratis-Adresse im Angebot wirkt wie ein Provisorium — und genau so werden deine Preise dann verhandelt.

Schritt 5

Website launchen — professionell statt perfekt

Fünf gute Seiten reichen für den Start: Angebot, Über-mich, Referenzen oder Arbeitsproben, Kontakt, Impressum/Datenschutz. Wichtig sind Ladezeit, Mobil-Tauglichkeit und saubere SEO-Basis.

Schritt 6

Google Unternehmensprofil anlegen

Kostenlos und einer der stärksten Sichtbarkeits-Hebel für regionale Anbieter. Funktioniert auch ohne öffentliche Geschäftsadresse — als Servicegebiets-Unternehmen.

Schritt 7

Rechnungs-Setup und Preise festlegen

Rechnungsvorlage mit allen Pflichtangaben, Kleinunternehmer-Hinweis falls zutreffend, klares Zahlungsziel. Und: Preise so kalkulieren, dass SVS und Steuer-Rücklage schon drin sind.

Schritt 8

Positionierung schärfen

Ein Satz, der beantwortet: Was machst du, für wen, in welcher Region? Je spitzer die Antwort, desto eher wirst du von Google, KI-Suchen und Menschen weiterempfohlen.

Schritt 9

Erste-Kunden-Plan starten

Netzwerk aktivieren statt auf Laufkundschaft warten: eine Liste mit 20 Kontakten, persönliche Nachrichten, ein konkretes Angebot. Die ersten Aufträge kommen fast immer über Menschen, die dich schon kennen.

Schritt 10

Förderungen und kostenlose Beratung abholen

Das WKO-Gründerservice berät kostenlos, dazu gibt es je nach Bundesland Fördertöpfe für Jungunternehmer:innen. Vor jeder größeren Ausgabe kurz prüfen, was gerade offen ist.

Was musst du bei Finanzamt, SVS und Bank erledigen? (Schritte 1–3)

Schritt 1: Steuernummer über FinanzOnline beantragen

Die Gewerbeanmeldung und die steuerliche Erfassung sind zwei getrennte Vorgänge — das übersehen viele. Damit das Finanzamt weiß, dass du jetzt unternehmerisch tätig bist, füllst du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über FinanzOnline aus: voraussichtlicher Umsatz, voraussichtlicher Gewinn, Art der Tätigkeit. Auf dieser Basis bekommst du deine Steuernummer.

Sei bei den Prognosen ehrlich, aber nicht übermütig: Zu hohe Schätzungen führen zu hohen Vorauszahlungen, die dir im ersten Jahr Liquidität entziehen. Anpassen kannst du später immer noch — melden musst du dich aber jetzt.

Schritt 2: SVS prüfen — die Frist läuft bereits

Mit dem Tag deiner Gewerbeanmeldung beginnt die Pflichtversicherung bei der Sozialversicherung der Selbständigen — Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung. Laut SVS informiert die Gewerbebehörde sie im Regelfall automatisch über deine Anmeldung; das Gewerbliche Sozialversicherungsgesetz sieht trotzdem eine Meldefrist von einem Monat vor, und verantwortlich bleibst am Ende du.

Der wichtigere Punkt ist aber nicht die Formalität, sondern die Kalkulation: Die SVS-Beiträge kommen quartalsweise, und im ersten Jahr wirken die vorläufigen Beiträge trügerisch niedrig — nachbemessen wird später auf Basis deines echten Gewinns. Wer die Beiträge nicht von Anfang an in seine Preise einrechnet, erlebt im zweiten und dritten Jahr die berüchtigte Nachzahlungs-Überraschung.

Schritt 3: Geschäftskonto und Belegablage

Als Einzelunternehmer:in zwingt dich niemand zu einem eigenen Geschäftskonto — dein zukünftiges Ich wird dir trotzdem danken. Getrennte Konten machen Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, Steuererklärung und den Überblick über deine tatsächliche Liquidität dramatisch einfacher. Dazu ein Ablagesystem für Belege, das du wirklich benutzt: ein Ordner-Schema oder ein simples Buchhaltungs-Tool reichen für den Start völlig.

Kleinunternehmerregelung: 55.000 Euro seit 2025

Bleibt dein Jahresumsatz unter 55.000 Euro, bist du laut WKO und USP als Kleinunternehmer:in von der Umsatzsteuer befreit (bis Ende 2024 lag die Grenze bei 35.000 Euro). Du stellst Rechnungen ohne Umsatzsteuer, darfst aber auch keine Vorsteuer abziehen. Wichtig: Der Hinweis auf die Steuerbefreiung gehört auf jede Rechnung — und wird die Grenze um mehr als die Toleranz von 10 Prozent überschritten, wechselst du in die Regelbesteuerung. Bei größeren Anfangsinvestitionen kann ein freiwilliger Verzicht auf die Regelung sinnvoll sein: Das ist ein klassisches Thema fürs erste Steuerberater-Gespräch.

Deine Woche 1 nach der Gewerbeanmeldung

Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über FinanzOnline eingereicht
SVS-Anmeldung geprüft (kommt im Regelfall automatisch von der Gewerbebehörde — Frist: ein Monat)
Geschäftskonto eröffnet und Belegablage angelegt
Wunsch-Domain registriert und E-Mail-Postfach auf eigener Domain eingerichtet
Entscheidung notiert: Kleinunternehmerregelung nutzen oder Regelbesteuerung beantragen
Termin beim kostenlosen WKO-Gründerservice vereinbart, falls Fragen offen sind

Schritte 4 bis 6: Dein digitales Fundament — Domain, E-Mail, Website, Google

Hier endet der Behörden-Teil und der Unternehmer-Teil beginnt. Alles, was jetzt kommt, entscheidet darüber, ob dich in drei Monaten jemand findet — oder ob dein Gewerbe auf dem Papier existiert und sonst nirgends.

Schritt 4: Domain und professionelle E-Mail-Adresse

Deine Domain ist dein digitales Grundstück, und gute Adressen sind schneller weg, als man glaubt. Falls du beim Namen noch schwankst oder prüfen willst, was rechtlich als Geschäftsbezeichnung erlaubt ist: Der Guide zum Thema Firmenname finden in Österreich führt dich durch e.U.-Regeln, Geschäftsbezeichnung und Domain-Check in einem Durchgang.

Direkt mit der Domain richtest du ein E-Mail-Postfach auf eigener Domain ein. Der Unterschied zwischen einer Gratis-Adresse und einem Postfach wie office@deinname.at kostet ein paar Euro im Monat — und entscheidet mit, ob dein erstes Angebot wie das eines Profis oder wie das eines Hobbys gelesen wird.

Schritt 5: Die Website — professionell statt perfekt

Du brauchst am Anfang keine 20-Seiten-Website und kein halbjähriges Agenturprojekt. Du brauchst fünf gute Seiten: dein Angebot mit klaren Leistungen, eine Über-mich-Seite mit Gesicht und Geschichte, Referenzen oder Arbeitsproben, eine Kontaktseite mit niedriger Hürde und ein sauberes Impressum samt Datenschutzerklärung. Was die verschiedenen Wege dorthin kosten — vom Baukasten bis zur Agentur — haben wir im Artikel Website erstellen lassen: die Kosten im Überblick aufgeschlüsselt.

Entscheidend ist nicht die Menge, sondern die Substanz: schnelle Ladezeiten, mobil einwandfrei, saubere technische SEO-Basis und Texte, die die Fragen deiner Kunden beantworten statt Floskeln aufzusagen. Genau diese Substanz ist es auch, die KI-Suchen wie ChatGPT und Google AI Overviews auswerten, wenn sie entscheiden, wen sie empfehlen.

Digitaler Start im Vergleich

Start, der dich bremst
Gratis-E-Mail-Adresse im Angebot und auf der Visitenkarte
Start, der dich trägt
Postfach auf eigener Domain — wirkt ab Tag 1 wie ein etabliertes Unternehmen
Start, der dich bremst
Social-Media-Profil als Website-Ersatz
Start, der dich trägt
Eigene Website als Anker, Social Media als Verstärker obendrauf
Start, der dich bremst
Baukasten-Abo, das mit jedem Feature teurer wird
Start, der dich trägt
Festpreis-Website ohne Abo — Kosten stehen vor Projektstart fest
Start, der dich bremst
„Die Website mache ich, wenn die ersten Kunden da sind“
Start, der dich trägt
Website in Woche 2–4 live — denn Kunden prüfen dich online, bevor sie anfragen
Start, der dich bremst
Kein Google Unternehmensprofil oder ein leeres
Start, der dich trägt
Vollständiges Profil mit Fotos, Leistungen und ersten Bewertungen
Start, der dich bremst
Texte über dich und deine Methoden
Start, der dich trägt
Texte über die Probleme deiner Kunden — und wie du sie löst

Schritt 6: Google Unternehmensprofil — der kostenlose Sichtbarkeits-Hebel

Das Google Unternehmensprofil ist gratis und für regionale Anbieter oft der schnellste Weg zu den ersten Anfragen: Es bringt dich in die Google-Suche und auf Google Maps, mit Bewertungen, Fotos und direktem Anruf-Button. Viele EPU zögern, weil sie von zu Hause arbeiten und ihre Privatadresse nicht veröffentlichen wollen — dafür gibt es eine saubere Lösung, die wir im Artikel Google Unternehmensprofil ohne Geschäftsadresse Schritt für Schritt zeigen.

Fülle das Profil vollständig aus: alle Kategorien, Leistungen, Einzugsgebiet, echte Fotos. Und bitte die ersten zufriedenen Kunden aktiv um eine Bewertung — die ersten fünf sind die schwersten und die wertvollsten.

Für Gründer:innen

Gründen ist teuer genug. Deine Website muss es nicht sein.

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Schritt 5 kannst du komplett auslagern: fünf Seiten inklusive SEO-Grundausbau und DSGVO-Setup, live in maximal 14 Werktagen — während du dich um Steuernummer, SVS und deine ersten Kunden kümmerst.

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Schritte 7 und 8: Rechnung, Preise und Positionierung

Schritt 7: Rechnungs-Setup, das vom ersten Auftrag an funktioniert

Nichts ist unangenehmer, als den ersten Auftrag zu gewinnen und dann zwei Tage lang zu recherchieren, was auf eine Rechnung gehört. Bau dir die Vorlage vorher: fortlaufende Rechnungsnummer, deine Daten samt Steuernummer, Leistungsbeschreibung, Datum, Zahlungsziel — und als Kleinunternehmer:in der Hinweis auf die Umsatzsteuerbefreiung.

Zum Rechnungs-Setup gehört auch die Preisfrage. Kalkuliere so, dass SVS-Beiträge und Einkommensteuer-Rücklage von Anfang an eingepreist sind — dein Stundensatz als Selbständige:r muss deutlich über dem liegen, was du als Angestellte:r brutto verdient hast, weil du Versicherung, Urlaub, Krankenstand und unproduktive Zeiten selbst trägst. Zu billig zu starten ist der häufigste Preisfehler, und er lässt sich später nur mühsam korrigieren.

Schritt 8: Positionierung — ein Satz, der hängen bleibt

„Ich mache Grafik, Web und Social Media für alle, die es brauchen“ ist keine Positionierung, sondern eine Kapitulation. Je spitzer du formulierst, was du für wen in welcher Region löst, desto eher empfehlen dich Google, KI-Suchen und — vor allem — Menschen weiter. Ein Beispiel aus dem eigenen Haus: die bellerei ist nicht „ein Onlineshop für Tierbedarf“, sondern ein nachhaltiger Hunde-Onlineshop mit klarer Haltung — und kommt mit dieser spitzen Positionierung auf über 15.000 Besucher pro Monat, rein organisch, ohne Werbebudget.

Nimm dir für diesen Schritt einen ruhigen Abend und schreib den einen Satz: Was, für wen, wo, mit welchem Unterschied. Dieser Satz gehört anschließend auf deine Startseite, in dein Google-Profil und in jede Vorstellung, die du in den nächsten Monaten machst.

Schritte 9 und 10: Wie kommst du zu den ersten Kunden — und wer hilft dir dabei?

Schritt 9: Der Erste-Kunden-Plan

Die ersten Aufträge kommen fast nie über die Website und fast immer über Menschen, die dich bereits kennen. Schreib eine Liste mit 20 Kontakten — ehemalige Kolleg:innen, Bekannte aus Vereinen, frühere Auftraggeber — und schick ihnen eine persönliche Nachricht: was du jetzt machst, für wen, und die Bitte, dich weiterzuempfehlen, falls jemand passt. Kein Massen-Posting, sondern 20 einzelne Nachrichten.

Parallel baust du an der Sichtbarkeit, die dir mittelfristig Anfragen bringt, ohne dass du akquirieren musst. Wie dieser Aufbau als Solo-Selbstständige:r konkret aussieht — von Schema.org über Inhalte bis zu Bewertungen — steht im 90-Tage-Plan Vom EPU-Start zur ersten Anfrage.

Schritt 10: Förderungen und kostenlose Beratung abholen

Du musst den Start nicht allein finanzieren und nicht allein durchdenken. Das Gründerservice der Wirtschaftskammer berät laut usp.gv.at kostenlos rund um Anmeldung, Rechtsform und erste Schritte — nutz das, gerade wenn Steuer- oder Versicherungsfragen offen sind. Dazu kommen je nach Bundesland Zuschüsse und geförderte Beratungen für Jungunternehmer:innen; welcher Topf gerade offen ist, ändert sich laufend, deshalb haben wir den Überblick im Artikel Förderungen für Jungunternehmer 2026/27 gesammelt.

Reihenfolge schlägt Vollständigkeit

Du musst nicht alle 10 Schritte in einer Woche schaffen. Realistisch ist: Woche 1 für die Pflichten (Schritte 1–3), Woche 2 und 3 für das digitale Fundament (Schritte 4–6), Woche 4 für Rechnung, Positionierung und die ersten 20 Nachrichten (Schritte 7–9). Förderungen und Beratung (Schritt 10) laufen parallel. Nach einem Monat bist du damit arbeitsfähig, auffindbar und ansprechbar — mehr braucht ein solider Start nicht.

Welche Fehler solltest du dir in den ersten Monaten sparen?

Die WKO führt in ihrer Übersicht zu den häufigsten Scheiter-Gründen fehlenden Marktbedarf und Geldmangel ganz oben an — und eine viel zitierte CB-Insights-Auswertung beziffert den Anteil der Startups, die an fehlendem Marktbedarf scheitern, mit 42 Prozent. Übersetzt für dein erstes Jahr heißt das: Sprich mit echten potenziellen Kunden, bevor du groß investierst, und verkauf lieber früh eine unperfekte Leistung, als spät ein perfektes Angebot, das niemand wollte.

  • Perfektionismus vor dem Launch. Wer drei Monate am Logo feilt, während die Website offline ist, optimiert das Falsche. Live gehen, Feedback einsammeln, nachschärfen.
  • Alles gleichzeitig wollen. Fünf Social-Media-Kanäle, Podcast, Newsletter und Website in Woche 1 — das endet in fünf halbfertigen Baustellen. Erst das Fundament, dann die Verstärker.
  • SVS und Steuern ignorieren, bis Post kommt. Die Beiträge und Vorauszahlungen kommen sicher. Wer sie nicht von Anfang an wegspart, finanziert sie später aus der Substanz.
  • Unsichtbar bleiben. Ein Gewerbe ohne Website und Google-Profil existiert für den Markt nicht — egal, wie gut die Leistung ist.
  • Zu billig starten. Kampfpreise ziehen Kunden an, die nur den Preis lieben. Die Korrektur nach oben kostet später genau diese Kunden — und deine Nerven.

Fazit: Ein Schritt pro Tag reicht

Der Gewerbeschein ist die Eintrittskarte, nicht das Ziel. Was jetzt zählt, ist Reihenfolge statt Hektik: in Woche 1 die Pflichten bei Finanzamt und SVS, danach Domain, E-Mail, Website und Google-Profil, dann Positionierung, Preise und die ersten 20 persönlichen Nachrichten an dein Netzwerk. Wer diesen Fahrplan in vier Wochen durchzieht, hat mehr erreicht als viele Gründer:innen im ersten halben Jahr — und ein Fundament, auf dem jede weitere Marketing-Maßnahme aufbaut.

Wenn du beim digitalen Teil Abkürzungen willst oder deinen individuellen Fahrplan einmal mit jemandem durchgehen möchtest, der den Aufbau von vier Marken selbst gemacht hat: Das Erstgespräch bei NUR. Marketing ist kostenlos — und für konkrete Einzelfragen gibt es das 1:1-Coaching um 90 Euro pro 30 Minuten, online oder in Spittal an der Drau.

FAQ — Häufige Fragen.

Was muss ich nach der Gewerbeanmeldung als Erstes tun?+
Als Erstes füllst du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über FinanzOnline aus, damit das Finanzamt dir eine Steuernummer zuteilt. Parallel prüfst du, ob deine Anmeldung bei der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) angekommen ist. Danach folgen Geschäftskonto, Belegablage und dein digitales Fundament: Domain, E-Mail, Website und Google Unternehmensprofil.
Muss ich mich nach der Gewerbeanmeldung selbst bei der SVS anmelden?+
Im Regelfall informiert die Gewerbebehörde die SVS automatisch über deine Anmeldung. Die Pflichtversicherung beginnt trotzdem mit dem Tag der Gewerbeanmeldung, und die gesetzliche Meldefrist beträgt einen Monat. Verlass dich also nicht blind auf den Automatismus: Prüf aktiv nach, ob du bei der SVS erfasst bist, und plane die Beiträge von Anfang an ein.
Wann bekomme ich meine Steuernummer?+
Die Steuernummer vergibt das Finanzamt, nachdem du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über FinanzOnline eingereicht hast. Die Bearbeitungsdauer variiert je nach Finanzamt und Auslastung. Reich den Fragebogen deshalb möglichst gleich in der ersten Woche nach der Gewerbeanmeldung ein, damit du sauber Rechnungen stellen kannst, sobald der erste Auftrag da ist.
Was ist die Kleinunternehmerregelung und gilt sie automatisch?+
Als Kleinunternehmer:in bist du von der Umsatzsteuer befreit, solange dein Jahresumsatz unter der Grenze von 55.000 Euro bleibt (Stand seit 2025, davor 35.000 Euro). Du stellst Rechnungen ohne Umsatzsteuer aus, darfst dafür aber keine Vorsteuer abziehen. Die Regelung greift grundsätzlich automatisch — auf der Rechnung gehört aber ein Hinweis auf die Steuerbefreiung, und wer freiwillig zur Regelbesteuerung wechseln will, muss das aktiv beantragen.
Wie schnell brauche ich nach der Gründung eine Website?+
Idealerweise steht deine Website in den ersten zwei bis vier Wochen — nicht perfekt, aber professionell und auffindbar. Ohne eigene Website wirken Angebote und Preisauskünfte schnell unseriös, und du bist weder über Google noch über KI-Suchen auffindbar. Wenn du nicht selbst bauen willst: Ein Festpreis-Paket wie das Startup-Paket von NUR. Marketing liefert fünf Seiten inklusive SEO-Grundausbau und DSGVO-Setup in maximal 14 Werktagen um 1.500 Euro.
Ist das Google Unternehmensprofil kostenlos?+
Ja, das Google Unternehmensprofil (früher Google My Business) ist komplett kostenlos. Es sorgt dafür, dass du in der Google-Suche und auf Google Maps mit Öffnungszeiten, Fotos und Bewertungen erscheinst. Auch ohne öffentliche Geschäftsadresse kannst du es nutzen — als sogenanntes Servicegebiets-Unternehmen, das nur seine Einsatzregion anzeigt, nicht die Privatadresse.
Welche kostenlose Unterstützung gibt es für Gründer:innen in Österreich?+
Das Gründerservice der Wirtschaftskammer unterstützt kostenlos rund um Gewerbeanmeldung, Rechtsform und erste Schritte — inklusive persönlicher Beratungstermine in jedem Bundesland. Dazu kommen je nach Bundesland Förderprogramme und geförderte Beratungen für Jungunternehmer:innen. Vor jeder größeren Ausgabe lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Fördertöpfe, weil sich Budgets und Bedingungen laufend ändern.
Was kostet der komplette Digital-Start als Gründer:in?+
Domain und ein professionelles E-Mail-Postfach kosten dich nur ein paar Euro im Monat, das Google Unternehmensprofil ist gratis. Der größte Posten ist die Website: Beim Startup-Paket von NUR. Marketing sind es 1.500 Euro Festpreis für fünf Seiten inklusive SEO-Grundausbau und DSGVO-Setup, optional plus Wartung ab 25 Euro pro Monat. Damit ist das gesamte digitale Fundament kalkulierbar — ohne Abos und ohne versteckte Kosten.
Muss ich sofort nach der Gründung Marketing machen?+
Bezahlte Werbung brauchst du am Anfang meist nicht — ein Sichtbarkeits-Fundament dagegen schon. Website, Google Unternehmensprofil und eine klare Positionierung sind die Basis, damit dich Menschen finden und ernst nehmen. Die ersten Aufträge kommen bei den meisten Gründer:innen über das eigene Netzwerk: Erzähl aktiv, was du jetzt anbietest, statt auf Laufkundschaft zu warten.
Bianca Willen, Gründerin NUR. Marketing GmbH
Geschrieben von
Spittal · Kärnten
Bianca Willen
Gründerin NUR. Marketing GmbH · Brand Builder · KI-Strategin

Servus, ich bin Bianca. Seit 10+ Jahren baue ich Marken auf — drei davon sind meine eigenen: die Hundeschule Willenskraft mit Akademie und Lizenz-Partnerinnen quer durch Österreich, der nachhaltige Onlineshop die bellerei und die GOTS-zertifizierte Babymode-Marke Windelrebellen.

Seit drei Jahren liegt mein Tiefen-Fokus auf eigenentwickelten KI-Systemen — SaaS-Module, automatisierte Workflows und Agenten wie Hermes und OpenClaw. Was ich für meine eigenen Brands gebaut habe, gebe ich heute an Selbständige und KMU im DACH-Raum weiter. Hier schreibe ich aus echter Praxis — nicht aus dem Lehrbuch.

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