Oktober ist Planungszeit. Während größere Betriebe jetzt Budgetrunden drehen, sieht die Realität bei den meisten EPU anders aus: Das „Marketing“ für 2027 besteht aus einem vagen Vorsatz („heuer poste ich wirklich regelmäßig“), einem Bauchgefühl und viel Reagieren. Und genau deshalb fühlt sich Marketing das ganze Jahr über wie ein schlechtes Gewissen an statt wie ein Werkzeug.
Das Problem sind nicht die fehlenden Vorlagen — davon gibt es hunderte. Das Problem ist, dass praktisch alle davon für Unternehmen mit Marketingabteilung gebaut sind: 40 Seiten SWOT-Analyse, Persona-Poster, Vision-Statement. Du bist aber allein, hast vielleicht drei bis fünf Stunden Marketingzeit pro Woche und ein Budget, bei dem jeder Hunderter sitzen muss.
Ein Marketingplan für ein EPU muss deshalb radikal anders aussehen: eine Seite, ein Ziel, ein bis zwei Kanäle, ein fixes Monatsbudget — und ein Jahreskalender, der mit Jänner-Loch, Sommerloch und Q4-Endspurt rechnet statt mit Black Friday und Super Bowl. Genau so einen Plan bauen wir jetzt, Schritt für Schritt.
Warum scheitern Marketingpläne bei EPU so oft?
Zuerst die Einordnung, warum es diesen Artikel überhaupt braucht: Laut dem Arbeitshandbuch EPU-Marketing der WKO sind über 60 Prozent aller WKO-Mitgliedsbetriebe Ein-Personen-Unternehmen. EPU sind also nicht die Ausnahme der österreichischen Wirtschaft — sie sind die Mehrheit. Trotzdem stammen die Vorlagen, die du bei der Suche nach „Marketingplan erstellen“ findest, fast ausschließlich von HubSpot, Miro oder Smartsheet: Template-Anbieter, die für Marketingteams in den USA oder Deutschland schreiben.
Diese Vorlagen scheitern im EPU-Alltag immer am selben Punkt: Sie verwechseln Planung mit Dokumentation. Du füllst an einem motivierten Sonntag zwölf Folien aus, und ab Februar schaut das Dokument nie wieder jemand an. Ein Plan, den du nicht monatlich in die Hand nimmst, ist kein Plan — er ist Deko.
Dazu kommt ein zweiter Punkt, den die Vorlagen komplett ignorieren: deine Zeit. Als EPU ist Marketingzeit knapper als Marketinggeld — du kannst kein Budget „freigeben“, das dann jemand anderer abarbeitet. Ein brauchbarer Plan rechnet deshalb immer in zwei Währungen gleichzeitig: Euro pro Monat und Stunden pro Woche. Was in beiden Budgets keinen Platz hat, fliegt raus, egal wie verlockend es klingt.
Der Unterschied zwischen einer Konzern-Vorlage und einem Plan, der für dich funktioniert, lässt sich in einer Tabelle zusammenfassen:
Schritt 1: Bestandsaufnahme — was hat 2026 wirklich gebracht?
Bevor du irgendetwas für 2027 planst, brauchst du drei ehrliche Antworten über das laufende Jahr. Erstens: Woher kamen deine Aufträge tatsächlich — nicht gefühlt, sondern nachgezählt? Zweitens: Was hat dich Marketing 2026 insgesamt gekostet, inklusive der vergessenen Tool-Abos und der spontanen Boost-Buttons? Drittens: Was hast du wirklich durchgehalten, und was ist nach drei Wochen eingeschlafen?
Die Datenbasis dafür hast du meist schon: Frag deine letzten zehn Kundinnen und Kunden, wie sie dich gefunden haben, und wirf einen Blick in die Google Search Console und in GA4. Dort versteckt sich oft die größte Überraschung — etwa Besucher, die längst über ChatGPT und Co. kommen und in der Standardansicht schlicht untergehen. Die Kombination aus Nachfragen und Zahlen ist wichtig, weil beide Quellen allein lügen: Menschen erinnern sich falsch, und Analytics sieht nicht, worüber am Telefon gesprochen wurde.
Am schnellsten geht die Auswertung als simple Vier-Spalten-Tabelle: Kanal, Stunden pro Monat, Kosten pro Monat, gezählte Anfragen. Mehr Analytik braucht es auf EPU-Ebene nicht — aber diese vier Spalten decken gnadenlos auf, wo Aufwand und Ergebnis auseinanderklaffen. Der Instagram-Account mit acht Stunden Aufwand und null nachweisbaren Anfragen steht dann plötzlich neben dem Google-Unternehmensprofil, das mit einer Stunde Pflege im Monat den Großteil der Anrufe gebracht hat.
Diese Bestandsaufnahme ist der Teil, den fast alle überspringen — und der Grund, warum viele Pläne 2027 dieselben Fehler wiederholen wie 2026. Ein Kanal, der heuer null nachweisbare Anfragen gebracht hat, bekommt nächstes Jahr kein Budget mehr. So einfach darf die Regel sein.
Schritt 2: Ein Ziel für 2027, das du kontrollieren kannst
Der häufigste Planungsfehler nach der fehlenden Bestandsaufnahme: Ziele, die du nicht beeinflussen kannst. „Bekannter werden“ ist kein Ziel, und „mehr Umsatz“ ist ein Ergebnis, kein Plan. Ein brauchbares EPU-Jahresziel ist eine Zahl, die direkt an deinem Marketing hängt — zum Beispiel eine fixe Anzahl qualifizierter Anfragen pro Monat oder eine bestimmte Zahl an Erstgesprächen pro Quartal.
Wichtig: genau ein Hauptziel, nicht fünf. Als EPU hast du keine Ressourcen für parallele Großbaustellen — und jedes zweite Ziel verwässert das erste. Aus dem einen Ziel leitest du dann alles Weitere ab: Welche Kanäle zahlen darauf ein, wie viel Budget ist es dir wert, und woran misst du monatlich den Fortschritt.
Woran erkennst du ein gutes Jahresziel?
Drei Kriterien reichen. Erstens: Du kannst es direkt beeinflussen — „Anfragen über die Website“ ja, „Weiterempfehlungen“ nur indirekt. Zweitens: Es ist monatlich messbar, ohne dass du dafür ein Dashboard bauen musst; im Zweifel reicht eine Strichliste. Drittens: Es ist eine Geschäftszahl, keine Eitelkeitszahl — Follower, Likes und Reichweite bezahlen keine Sozialversicherung.
Und formuliere das Ziel so, dass ein Monat ohne Fortschritt sofort auffällt. „2027 sichtbarer werden“ kannst du zwölf Monate lang verfehlen, ohne es zu merken. Eine fixe Anfragen-Zahl pro Monat konfrontiert dich dagegen jeden Monatsersten mit der Wahrheit — genau das soll sie.
Falls du beim Formulieren merkst, dass du gar nicht sauber sagen kannst, wen du eigentlich erreichen willst, liegt das Problem eine Ebene tiefer — dann lohnt sich vor der Jahresplanung ein Blick auf deine Positionierung als EPU. Ein scharfes „für wen und wofür“ macht jeden der folgenden Schritte doppelt so wirksam.
Schritt 3: Wie viel Marketingbudget ist als EPU realistisch?
Die Standardantwort der Beratungsliteratur: 3 bis 10 Prozent des Umsatzes, abhängig davon, wie stark du wachsen willst — so etwa der Richtwert von nordsteg.at. Die Formel ist ein guter Startpunkt, aber für EPU greift sie oft zu kurz. Bei 60.000 Euro Jahresumsatz wären 3 Prozent gerade einmal 150 Euro im Monat — damit lässt sich ein Kanal seriös bespielen, aber sicher nicht drei.
Deshalb dreh die Rechnung um: Plane zuerst deine Fixkosten, dann das Kanalbudget. Fixkosten sind alles, was dein Marketing trägt — Website, Wartung, Domain, die zwei, drei Tools, die du wirklich nutzt. Erst was danach übrig bleibt, fließt in Reichweite. Und damit du weißt, was am österreichischen Markt realistisch ist, hier die Spannen aus öffentlich einsehbaren Preisübersichten:
- SEO-Betreuung: Österreichische Agenturen nennen für KMU meist 500 bis 2.500 Euro pro Monat (diemarketingnerds.com), andere Quellen 800 bis 5.000 Euro (goldenwing.at) beziehungsweise eine Gesamtspanne von 500 bis 8.000 Euro (edelweiss-digital.at).
- Google Ads: Für lokale Dienstleister ist auch mit kleinem Einsatz etwas möglich — was 300 bis 500 Euro Monatsbudget bei Google Ads wirklich bringen, haben wir zuletzt im Detail durchgerechnet.
- KI-Tools: Laut xbn.news haben 35 Prozent der österreichischen KMU für 2026 bereits ein festes KI-Budget. Als EPU brauchst du keinen großen Posten — aber einen bewussten, statt über das Jahr verteilt Abos anzusammeln.
Ein Trend gehört 2027 zusätzlich ins Budget-Kalkül: Die Gewichte verschieben sich. Laut einer Auswertung von e-dialog stiegen die Paid-Search-Ausgaben im DACH-Raum um 8,7 Prozent — in Österreich um 6,4 Prozent — während organischer Traffic rückläufig war. Das heißt nicht, dass SEO tot ist. Es heißt, dass du Sichtbarkeit 2027 breiter denken musst als „ein bisschen Google-Ranking“: Suche findet heute in klassischen Ergebnissen, AI Overviews und Ads gleichzeitig statt.
Drei Budget-Szenarien als Denkhilfe
Damit die Zahlen greifbar werden, drei typische Ausbaustufen. Stufe 1 — Fundament: Website als Festpreis-Einmalposten, Wartung als kleiner Fixbetrag, das kostenlose Google-Unternehmensprofil sauber gepflegt und SEO in Eigenregie. Hier investierst du vor allem Zeit statt Geld — für viele nebenberufliche EPU der richtige Start. Stufe 2 — Wachstum: Fundament plus ein kleines, fixes Google-Ads-Budget für die kaufbereiten Suchanfragen in deiner Region. Stufe 3 — Auslagern: Wenn deine Stunde im Kundengeschäft mehr wert ist als am Marketing-Schreibtisch, wird externe SEO-Betreuung ab etwa 500 Euro pro Monat (lt. diemarketingnerds.com) rechnerisch sinnvoll.
Welche Stufe für dich passt, entscheidet nicht dein Ehrgeiz, sondern deine Bestandsaufnahme aus Schritt 1: Wer noch nicht weiß, welcher Kanal Anfragen bringt, kauft mit Stufe 3 nur teurere Ungewissheit.
Schritt 4: Kanäle wählen — zwei sind genug
Jetzt die Frage, an der die meisten Pläne zu dick werden: Welche Kanäle? Die ehrliche EPU-Antwort lautet: ein Hauptkanal, ein Nebenkanal, fertig. Alles andere schreibst du bewusst auf die „Mache-ich-2027-nicht“-Liste — dieser Teil des Plans ist mindestens so wertvoll wie der Rest.
Für die meisten Dienstleistungs-EPU in Österreich sieht die Auswahl so aus: Die eigene Website mit lokalem SEO ist der Kanal mit dem besten Langfrist-Hebel, weil sie Anfragen bringt, während du arbeitest — wie das konkret geht, zeigt unser Guide zu SEO für kleine Unternehmen. Google Ads ist der schnelle Kanal, wenn du kurzfristig Auslastung brauchst. Das Google-Unternehmensprofil ist Pflichtpflege für alle mit regionaler Kundschaft. Und Social Media? Ist optional — nicht Pflicht, auch wenn dir jeder Feed das Gegenteil einredet.
Wie viel konsequente Kanaltreue ausmacht, sehen wir an unseren eigenen Marken: Die bellerei, der nachhaltige Hunde-Onlineshop aus unserem Haus, holt über 15.000 Besucher pro Monat rein organisch — nicht wegen eines genialen Tricks, sondern weil seit Jahren ein einziger Kanal (Suche) konsequent bespielt wird, statt fünf Kanäle halbherzig. Genau dieses Prinzip gehört in deinen Plan.
Ein unterschätzter Nebenkanal ist übrigens die eigene E-Mail-Liste: Sie gehört dir (kein Algorithmus kann sie dir wegnehmen), kostet fast nichts und passt in ein Zeitbudget von einer Stunde pro Monat. Wenn du grundsätzlich ohne Social Media planst — was für viele EPU völlig legitim ist —, haben wir dazu einen eigenen Fahrplan: Kunden gewinnen ohne Social Media.
Schritt 5: Der Jahreskalender mit Österreichs Saisonen
Der letzte Schritt macht aus Zielen und Budget einen Kalender — und hier lohnt sich der Österreich-Blick am meisten. Fast jedes EPU-Geschäft hat hierzulande denselben Rhythmus: ein zähes Jänner-Loch, ein starkes Frühjahr, ein Sommerloch im Juli und August und einen Q4-Endspurt, in dem Budgets und Kaufentscheidungen fallen. Wer diesen Rhythmus in den Plan einbaut, hört auf, gegen ihn anzukämpfen.
Die Grundregel: Ruhige Phasen sind Arbeitsphasen, starke Phasen sind Erntephasen. Content, Website-Umbauten und Grundlagenarbeit gehören in Jänner und Sommer — sichtbar sein, verkaufen und nachfassen gehört in Frühjahr und Herbst. Für Onlineshops und produktnahe EPU beginnt die Q4-Vorbereitung sogar schon im September; unsere Q4-Checkliste für kleine Onlineshops zeigt, was bis November erledigt sein muss.
Trag zusätzlich deine eigenen Branchen-Spitzen ein — die Gartensaison, den Bilanzstichtag, die Hochzeitsmonate, was auch immer dein Geschäft taktet. Der Kalender muss nicht schön sein; er muss dir im März sagen, was du im März tust, ohne dass du neu nachdenken musst.
- 1Q1 2027
Jänner-Loch als Arbeitszeit nutzen
Wenig Anfragen, viel Ruhe: Website-Inhalte überarbeiten, die wichtigsten Seiten für dein Jahresziel ausbauen, Content für das Frühjahr vorproduzieren. Ab Februar/März zieht die Nachfrage in den meisten Branchen wieder an — dann ist deine Pipeline schon voll.
- 2Q2 2027
Frühjahrsgeschäft ernten
Jetzt zahlt sich die Q1-Arbeit aus: Sichtbarkeit nutzen, aktiv nachfassen, Bewertungen einsammeln. Im Juni ein Zwischenfazit ziehen — liegst du beim Jahresziel auf Kurs, oder muss das zweite Halbjahr umgeplant werden?
- 3Q3 2027
Sommerloch = Grundlagenarbeit
Juli und August sind in Österreich verlässlich ruhig. Ideal für alles, wofür sonst die Zeit fehlt: Angebotsseiten schärfen, Prozesse automatisieren, das Google-Unternehmensprofil ausmisten — und ab Ende August die Q4-Vorbereitung starten.
- 4Q4 2027
Ernte-Quartal und Planung 2028
Im Q4 fallen Budgets und Entscheidungen: präsent sein, Angebote nachfassen, Bestandskundschaft aktivieren. Und im Oktober machst du genau das, was du gerade liest — die Bestandsaufnahme und den Plan für 2028, diesmal mit zwölf Monaten echter Daten.
Noch ein Tipp für den restlichen Herbst 2026: Du musst dir das Planungswissen nicht allein zusammensuchen. Die WKO bietet für EPU laufend kostenlose Webinare an — laut Übersicht der WKO Niederösterreich mit Terminen bis Dezember 2026, etwa am 3. Dezember. Eine Stunde Webinar plus dieser Fünf-Schritte-Plan ist eine realistischere Vorbereitung als jedes 40-Seiten-Template.
Dein Marketingplan 2027 auf einer Seite
Zum Schluss die Nagelprobe: Wenn dein fertiger Plan mehr als eine Seite braucht, ist er zu kompliziert, um zwölf Monate durchzuhalten. Diese acht Punkte müssen draufstehen — mehr nicht:
Die Ein-Seiten-Checkliste
- Ein Jahresziel, das du selbst kontrollieren kannst — etwa Anfragen pro Monat statt „mehr Bekanntheit“
- Ein Hauptkanal und maximal ein Nebenkanal — plus die schriftliche Liste, was du 2027 bewusst nicht machst
- Ein fixes Monatsbudget in Euro, abgeleitet aus dem 3-bis-10-Prozent-Richtwert und deinen realen Fixkosten
- Fixkosten geklärt: Website, Wartung, Tools — als Festpreise statt offener Posten
- Vier Quartals-Blöcke mit je einem Schwerpunkt statt 52 Wochen Detailplanung
- Österreich-Saisonen eingetragen: Jänner-Loch, Ostern, Sommerloch, Q4-Endspurt
- Ein fixer Monatstermin von 15 bis 30 Minuten, an dem du Anfragen, Kosten und Zielfortschritt prüfst
- Ein Messpunkt pro Kanal: Woher kam jede Anfrage wirklich? (Nachfragen zählt als Messmethode.)
Fazit: Planen heißt weglassen
Ein Marketingplan für 2027 ist als EPU keine Fleißaufgabe, sondern eine Entlastung: Er nimmt dir 52-mal im Jahr die Frage ab, was du „noch schnell fürs Marketing“ tun solltest. Die Zutaten sind überschaubar — eine ehrliche Bestandsaufnahme, ein Ziel, ein Budget mit Festpreis-Fixkosten, zwei Kanäle und ein Kalender, der Österreichs Saisonen respektiert. Nimm dir dafür einen halben Tag im Oktober, und du startest im Jänner mit Vorsprung statt mit Vorsätzen.
Und wenn du deinen Plan lieber nicht im Alleingang finalisierst: Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir unverbindlich drauf, wo dein größter Hebel für 2027 liegt. Wer es konkreter mag, bucht ein 1:1-Coaching (90 Euro für 30 Minuten) als Plan-Gegencheck — eine halbe Stunde Sparring erspart erfahrungsgemäß Monate in die falsche Richtung.
Quellen & weiterführende Links
- 1.WKO: Arbeitshandbuch EPU-Marketing (PDF)
- 2.WKO Niederösterreich: Aktuelle Webinare für EPU
- 3.nordsteg.at: Marketing-Budget planen — wie viel sollten KMU wirklich investieren?
- 4.e-dialog: AI Search, Zero-Click und Traffic-Einbruch — was die Zahlen wirklich sagen
- 5.xbn.news: Jedes dritte österreichische KMU plant 2026 KI-Investitionen
- 6.goldenwing.at: SEO-Kosten in Österreich — der Guide
